Und wie du wieder aussiehst…

Und wie du wieder aussiehst…

Als Eltern wissen wir, dass selbst mit den besten Vorsätzen kaum ein Tag mit Kindern perfekt läuft. So auch der heutige Morgen.

Die Vorzeichen standen eigentlich gar nicht so schlecht. Ich hatte nur ein Kind, das für die KiTa fertig gemacht werden musste. Ich hatte selbst meinen ersten Termin erst um 8:30h angesetzt, das ist normalerweise ausreichend Zeit.

Allerdings gab es auch ein paar erschwerende Faktoren: Wir hatten gerade ein langes Wochenende hinter uns. Ich war drei Tage ohne meine Familie unterwegs gewesen. Sonnenschein hatte mich also drei Tage nicht gesehen und hatte dementsprechend eine etwas geringere Kooperationsbereitschaft. Der Herzensmensch wollte schon früher als sonst zur Arbeit fahren, weshalb er ausnahmsweise nicht vorher noch Sonnenschein in der KiTa abliefern konnte.

Da stand ich also, allein mit meinem kleinen Kind, das schon traurig war, weil der Elternteil, der das ganze Wochenende bei ihm gewesen war, nun schon aus der Tür ging.

Waschen konnte er noch einigermaßen tolerieren. Wickeln war schon grenzwertig. Eincremen (wegen Neurodermitis) war an den Beinen noch ok. Als ich mit der Creme am Bauch angekommen war, war seine Toleranzgrenze offenbar überschritten. Immerhin konnte ich ihm noch eine Hose anziehen.

Was sollen die Nachbarn sagen?

Dann wollte ich sein dreckiges T-Shirt vom Vortag wechseln (er schläft meistens in den Klamotten des Tags, sofern sie nicht nass sind oder Dreck im Bett verteilen würden). Ich ließ ihn ein frisches T-Shirt aus der Schublade aussuchen. Er wählte eines aus, wollte aber partout nicht das dreckige T-Shirt dafür ausziehen.

Okay, der Puls steigt. Zweiter Versuch: Neues T-Shirt auswählen. Vielleicht war das vorher ausgesuchte doch nicht das richtige. Gleiches Spiel. Er wollte unbedingt das dreckige T-Shirt anbehalten.

Langsam wurde ich ungeduldig. Sonnenschein spiegelte meine Unruhe prompt dadurch, dass er anfing zu schreien. Ich entschied mich, den Versuch erstmal abzubrechen.

Sonnenschein steigerte sich nun noch mehr in das Schreien rein. Ich wollte nur kurz die Hände waschen, aber selbst das war für ihn jetzt nicht mehr akzeptabel. Jetzt ging gar nichts mehr. Ich wollte nur noch schnell los und diese Situation hinter mich bringen. Ich versuchte, ihm die Schuhe anzuziehen (was er sonst gern mag). Keine Chance. Noch mehr Geschrei.

Ich beschloss, erstmal den Druck rauszunehmen. Ich trank kurz meinen übriggebliebenen Tee vom Frühstück aus. Immer noch Geschrei. Immerhin war ich jetzt ein wenig ruhiger und bereit, noch etwas anderes zu probieren.

Ich zog meine Schuhe an. Plötzlich kam der kleine Sonnenschein angetappelt und wollte seine Schuhe auch anziehen. Und dann die Jacke. Ich steckte noch ein sauberes T-Shirt ein, falls er es sich in der KiTa nochmal anders überlegen sollte. (Tat er natürlich nicht.)

Vor der Haustür ließ ich ihm dann die Wahl, ob wir mit dem Kinderwagen oder mit dem Fahrrad zur KiTa fahren würden. Er entschied sich nun ohne Protest für den Kinderwagen. Das Abgeben in der KiTa lief dann auch wider Erwarten völlig problemlos.

Wo soll das alles enden?

Früher wäre ich in so einer Situation wie heute irgendwann explodiert. Heute war ich auch kurz davor, aber habe die Situation noch retten können. Wir waren nur eine Viertelstunde später als normalerweile in der KiTa. Das hatte sich in meiner Unruhe deutlich mehr angefühlt. Das T-Shirt hatte Sonnenschein nachmittags immer noch an, in der KiTa ist es also auch niemandem gelungen, ihn zu überzeugen, sich umziehen zu lassen.

Und, was ist passiert? Nichts! Als ich der Erzieherin morgens erklärte, dass ich es nicht geschafft hatte, Sonnenschein umzuziehen, winkte sie nur ab, dass ich mir keinen Kopf machen solle.

Ich habe die Grenzen von Sonnenschein gewahrt und nicht meine körperliche Überlegenheit dafür genutzt, ihn gegen seinen Willen umzuziehen. Ich habe Kooperationsbereitschaft gezeigt, wo Sonnenschein keine mehr übrig hatte. Und das macht für mich Agile Elternschaft aus. Jede Situation annehmen, wie sie erstmal ist und konstruktive Lösungen finden.

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