Respekt ist für alle da, auch für Kinder!

Respekt ist für alle da, auch für Kinder!

Dieser Artikel ist Teil der Blogparade von Lydias Welt zum Thema Respekt. Als ich den Aufruf gelesen habe, hat es mir sofort in den Fingern gekribbelt, etwas zum Thema Respekt zu schreiben und da war die Entscheidung schon gefallen.

Was bedeutet mir Respekt?

Respekt ist für mich der Dreh- und Angelpunkt meines Handelns. Nicht umsonst ist er einer von den 7 Werten des Agile Parenting. Respektvoller Umgang ist das, was ich mir von meinen Mitmenschen für mich und meine Kinder wünsche. Respekt ist das, was ich versuche jedem Menschen, ob alt oder jung, entgegen zu bringen.

Das war nicht immer so. Meine Einstellung zum Thema Respekt hat sich bei mir durch zwei Gegebenheiten besonders verändert: Durch meine erste Agile Transformation und durch meine Kinder.

Respekt für Leistung

Als ich in mein Arbeitsleben startete, hatte ich ziemlich klare Vorstellungen davon, welche Art von Mensch von Respekt verdiente: Diejenigen die in meinen Augen gute Leistungen erbrachten. Ich bin mit einem hohen Leistungsanspruch an mich selbst aufgewachsen, den ich in meinen Anfängen in der Arbeitswelt ganz selbstverständlich auf andere übertrug. Dass die Fähigkeit, gute Leistungen zu erbringen, eng mit der Arbeitsbedingungen und individuellen Voraussetzungen einer Person zusammenhängt, war mir damals noch nicht in dem Ausmaß bewusst, wie es mir heute ist.

Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass jeder Mensch großes Potential hat. Ich glaube, dass man einem Menschen nur das Vertrauen entgegen bringen muss, etwas zu erreichen und diesem Menschen die für ihn passende Arbeitsumgebung dafür bereitstellen muss und er wird dich immer wieder begeistern. Kommt dir bekannt vor? Das liegt vielleicht daran, dass es eines der 12 Prinzipien des Agilen Manifests ist.

Errichte Projekte rund um motivierte Individuen. Gib ihnen das Umfeld und die Unterstützung, die sie benötigen und vertraue darauf, dass sie die Aufgabe erledigen.

http://agilemanifesto.org/iso/de/principles.html

Spitzenleistung ist manchmal einfach Selbstdarstellung

Früher glaubte ich, nach einer gewissen Zeit zu wissen, was eine andere Person leisten konnte und besonders auch, was sie niemals schaffen würde.

Meine Sichtweise änderte sich radikal durch meine erste Agile Transformation.

Wir stellten in unserem Projekt die Arbeitsweise von klassischem Wasserfall-Vorgehen um auf Scrum. Dabei haben wir unter anderem auch aus einem großen Team 3 kleine Agile Teams gemacht. Und ich hätte von bestimmten Personen, die vorher im großen Team außergewöhnliche Leistungen vollbracht hatten, erwartet, dass sich dieser Umstand im kleinen Team eher verstärken würde.

Ich war sehr überrascht, dass die vermeintlichen Überflieger im kleinen Team gar keinen so großen positiven Einfluss auf die Teamleistung hatten, weil sich herausstellte, dass sie Einzelkämpfer waren. Und ein Einzelkämpfer wird auf lange Sicht der Gesamt-Team-Leistung immer schaden.

Diese Erkenntnis war schon erhellend für mich. Richtig aufgerüttelt hat mich aber der umgekehrte Effekt.

Ein Team kann zusammen so viel mehr erreichen

Es gab nach der Umstellung auf Agile Teams plötzlich Personen, die richtiggehend aufgeblüht sind und im Teamverbund Sachen erreicht haben, die wir vorher nicht für möglich gehalten hatten.

Ich schämte mich später ganz schön dafür, dass ich manche Teammitglieder gedanklich vorher abgeschrieben hatte, weil sie im großen Team entweder nicht aufgefallen waren oder vorher scheinbar noch nicht so arbeiten konnten, dass sie ihr volles Potenzial entwickelt hatten. Sie wuchsen im Agilen Team förmlich über sich hinaus.

Seitdem bin ich vorsichtig damit, ein vorschnelles Urteil über andere zu fällen. Das gelingt mir nicht immer, schließlich bin ich auch nur ein Mensch, aber es ist mein festes Ziel, jedem Menschen von vornherein respektvoll zu begegnen, unabhängig von seiner vermeintlichen Leistungsfähigkeit.

Denn Respekt nur für Leistung ist menschenunwürdig.

Im Arbeitsleben gibt es viele Punkte, die ich mittlerweile für respektlos gegenüber den beteiligten Menschen halte. Um nur ein paar Beispiele zu nennen:

  • Micromanagement
  • Entscheidungen ohne Beteiligung der Mitarbeitenden
  • Starre unternehmensweit festgelegte Prozesse
  • Beurteilungen von Mitarbeitenden
  • Abmahnungen

All diese Werkzeuge vermitteln der einzelnen Person, dass man ihr nicht trauen kann und dass eine übergeordnete Person zu ihrem Schutz über sie bestimmen muss. Wenn du mehr darüber lesen möchtest, kann ich dir das Buch Organisation für Komplexität von Niels Pfläging empfehlen.

Respekt gegenüber Kindern

Die Argumentation, es sei doch nur zu ihrem Schutz, wird gern auch für respektlosen Umgang mit Kindern vorgeschoben.

Als ich mich auf meine Reise zum Agilen Elternteil begab, lernte ich mit der Zeit, wie viele Verhaltensweisen gegenüber Kindern, die heute oft noch ganz selbstverständlich angewandt werden (und die ich auch anfangs unreflektiert einsetzte), extrem respektlos sind:

  • Wenn es ausgelacht oder beschämt wird, weil es sich aufregt über etwas, was in Erwachsenen-Augen unwichtig wirkt.
  • Wenn es nicht über seinen Körper bestimmen darf; Wann es satt ist, wann ihm kalt ist, wann es müde ist, wann es auf Toilette muss usw.
  • Wenn es bestraft wird (ich halte Strafen für Kinder tatsächlich für unwürdig, wie im Wunschkindblog zum Thema Strafen schön erläutert wird).
  • Wenn es dressiert wird mit „Bitte“, „Danke“, „Entschuldigung“ (auch das Thema Entschuldigen wird vom Wunschkindblog ausführlich erläutert)

Ich könnte diese Liste noch ewig fortführen. Einzelnen Punkten werde ich sicherlich noch den einen oder anderen Artikel widmen. Respektvoll mit Kindern umzugehen ist in meinen Augen immer noch eher die Ausnahme als die Regel.

In dem Zusammenhang finde ich es so spannend, dass sich viele Menschen beschweren, dass die Jugend heutzutage so respektlos wäre. Dabei wissen wir doch, dass Kinder von unserem Vorbild lernen. Und wenn wir sie respektlos behandeln, wie sollen sie dann einen respektvollen Umgang mit ihren Mitmenschen übernehmen?

Für mehr Respekt gegenüber allen Menschen

Auf meinem Weg hin zu einem respektvollen Umgang mit unseren Kindern ist mir immer mehr klar geworden, wie wenig selbstverständlich echter Respekt in unserer Gesellschaft ist. Es gibt diese vielen kleinen und großen Begebenheiten, in denen die Menschenwürde einzelner Menschen oder Personengruppen ganz selbstverständlich in Frage gestellt wird.

Wenn ich darüber diskutieren muss, ob es problematisch ist, eine Frau gegen ihren Willen anzugrabschen.

Wenn bei einem Softwareentwicklungsprojekt tatsächlich gefragt wird, ob für die wenigen Betroffenen der Aufwand einer barrierefreien Umsetzung überhaupt lohnt.

Respekt vor jedem Menschen, unabhängig seines Hintergrunds, seiner besonderen und nicht so besonderen Eigenschaften ist das Leitmotiv, das mich antreibt.

Wir haben noch einen weiten Weg vor uns.

Teile diesen Beitrag

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*